Blogkiller Twitter ?

twitter blogkillerTwitter wird immer beliebter und das nicht nur in Übersee sondern auch endlich mal in Deutschland. Natürlich haben meine normalen Freunde (Menschen die nichts mit Webdesign, SEO, SMO oder SEM zu tun haben) immer noch keinen Schimmer wofür Twitter jetzt eigentlich gut sein oder was das überhaupt sein soll.

Und auch in der sonst immer sehr schnell adaptierenden Internet Marketing Szene wurde Twitter erst nur verhalten angenommen. Aus dem Bauch raus würde ich sagen über 50% der Leute die ich aus der Szene kenne fanden Twitter anfangs ziemlich überflüssig. Mittlerweile scheint sich das Blatt allerdings gewendet zu haben und auch hier zu Lande wächst die Zahl der Twitter Accounts beständig. Gerade in den letzten Wochen scheint mir Twitter einen regelrechten Boom zu erleben.

Heute tweeten im Grunde alle meine relevanten Marketing Kontakte durch die Twittersphäre. Die grossen Skype Gruppenchats zu den Themen SEO, SEM und SMO sind für mich nahezu überflüssig geworden und auch die meisten zeitraubenden 1 zu 1 Chats im Skype oder in anderen Messangern nutze ich immer weniger.

Twitter vs. Blogpost

Schade an der Entwicklung ist allerdings die Tatsache das in den letzten Wochen und Monaten unzählige Ideen für gute Blogposts im Twitterspace verloren gegangen sind. Interessante Links werden einfach über Twitter verschickt und die 140 Zeichen reichen meistens aus um kurz zu beschreiben was Sache ist, danach fehlt meistens die Motivation das Thema noch Mal im eigenen Blog auf zu greifen, da ja eh mehr Menschen dem Twitterfeed folgen als dem altmodischen RSS-Symbol. Im Gespräch mit anderen Bloggern merke ich auch schnell das es nicht nur mir so geht.

Twitter ist zwar ein unglaublich effektives Mittel Blogposts zu verbreiten, nur gibt es nicht mehr so viel zu verbreiten da sich die potenziellen Themen im Twitter schnell erschöpfen. Stereophone.de z.B. leidet sehr unter meinen Twitter Aktivitäten. Ich sammle die interessantesten Artikelideen für ein neues Projekt, über das ich an dieser Stelle noch nicht so viel verraten möchte und das übrige kann in 140 Zeichen erklärt werden.

Wirklich relevante Artikel, Tutorials und andere Ressourcen passen natürlicht nicht in einen Tweet, dafür ist der Blog immer noch die beste Publikations-Plattform. Aber für ‘persönliche’ Blogs kann Twitter wirklich ein Killer sein, wie ich selbst feststellen muss und mir fällt immer weniger ein was ich auf diesem wunderschönen Blog hier berichten könnte.

Weblogs heute und übermorgen

Die ersten Weblogs waren persönliche Linksammlungen für Freunde, mit kurzen Beschreibungen und der Möglichkeit mittels Kommentarfunktion zu antworten. Weblog-Authoren schrieben mit der Zeit immer längere Artikel um diese Links herrum, verlinkten sich gegenseitig um auf andere Weblogs aufmerksam zu machen und so ist die Blogosphere entstanden. Auch wenn wir heute in unseren Blogs viele Worte machen und hier und da natürlich auch wertvolle Ressourcen für andere dabei herraus kommen, vieles von dem was wir machen ähnelt noch dem Prinzip der ersten Weblogs: Auf andere Quellen verlinken, kurz beschreiben, und auf rege Diskusionen und Verbreitung hoffen. Und genau das in einfach ist Twitter.

Sollte Twitter jemals zu den Normalsterblichen durchdringen und die beispielsweise lernen sich gegenseitig ihre eigenen Youtube Videos zu schicken, haben lustige Videoblogs wahrscheinlich nicht mehr so viel zu lachen, um nur mal ein Beispiel zu nennen. Mal davon abgesehen das Twitter natürlich viel praktischer ist, auf unserem 24/7 Web Smartphone das jeder von uns (ja, auch die die jetzt noch sagen sowas brauch ich nicht!) in 5 Jahren haben wird.

Mit dem Blick auf neuste Entwicklungen wage ich immer gerne Zukunftsaussagen und ob die Kommunikationsform der Zukunft nun 140 Zeichen hat und Twitter heisst ist eine ganz andere Frage, aber in den nächsten 5-10 Jahren werden Technologien im Alltag verknüpft die dann Dinge erlauben die nicht ab zu sehen sind. Web-Magazine mit echten Artikeln und Ressourcen werden sich natürlich länger halten, aber Blogs, so wie wir das gerade betreiben, scheinen ein kurzlebigeres Phänomen zu sein als ich eigentlich vor kurzem noch gedacht hätte. Genau wie einige Zeit später das Web ansich, mit seinen vielen hässlichen Seiten, in denen Inhalte unglaublich umständlich und jedesmal anders strukturiert werden. Also denkt mal drüber nach und folgt mir auf Twitter.com so lange es noch geht!

Es gibt 17 Kommentare zu diesem Beitrag
  1. Von Luigi am 14. Juni 2009 um 07:34

    Guten Morgen!
    Also ich für meinen Teil nutze Twitter hauptsächlich dafür um meine Blogposts zu verbreiten. Wenns Probleme bei mir gibt guck ich statt bei ICQ eher bei Twitter ob Kollegen online sind die helfen können.
    Ich schmeiss auch nicht extra twitter an um einen Link zu verbreiten. Das mach ich mit der Linkarena, deren Einträge aber wiederrum bei twitter erscheinen.
    Auch habe ich nicht das Gefühl das die Blogs denen ich folge weniger Artikel produzieren und dafür mehr bei twitter posten.
    Dennoch kann ich deine Prognose nachvollziehen. Es könnte wirklich sein das in ein paar Jahren twitter so dominant ist wie Tante guggel bei den Suchmaschinen.

  2. Von Gretus am 14. Juni 2009 um 10:30

    Hallo,

    man sollte Twitter tatsächlich als Verbreitungs- und nichts als Informationsmedium sehen. Um wirklichen Inhalt bzw. eine wirkliche Aussage zu transportieren, reichen 140 Zeichen definitiv nicht aus.

    Wichtig ist zu begreifen, das gepostete Links bei Twitter (noch) nicht eine verlinkte Webseite z.B. aus einem Blogbeitrag ersetzen. Leider hat die Verlinkungsbereitschaft durch Twitter noch weiter abgenommen…

    Grüße

    Gretus

  3. Von DocGoy am 14. Juni 2009 um 13:05

    Twitter ist klasse, aber nicht als wirkliche Inhaltsverbreitung, sondern als Hinweis / Aufruf / Empfehlung.
    140 Zeichen sind zu wenig für wirklichen Content.
    Kurze Statusdmeldung, kleine Erinnerung, ein link, aber die echten Infos gibts auf den Internetseiten und/oder Blogs.
    Das wird auch bleiben.
    Eher vielleicht Twitter contra ICQ oder skype?
    Liebe Grüße und viel Spaß beim bloggen UND twittern
    DocGoy

  4. Von Nerd in Skirt am 14. Juni 2009 um 15:07

    Wie gestern besprochen: sehe das ganz genauso! Ich schätze mal, dass in den vier Monaten, in denen ich jetzt twittere, etwa 20 Blogposts an der eigenen Faulheit und der Möglichkeit, einen Link fix bei Twitter zu posten, gescheitert sind…
    .bin sogar zu müde, diesen Kommentar auszuweiten, daher: mehr zum Thema bei Twitter *g*

  5. Von Hofnarr Florian am 14. Juni 2009 um 21:07

    Stimme dir zu. Twitter ersetzt kleine private Blogs mit wenig Inhalt. Ehrlich gesagt finde ich das nicht schlimm. Blogs mit viel Inhalt und Qualität halten sich auch weiterhin.

  6. Von Dapema am 14. Juni 2009 um 21:30

    Sehr interessanter Artikel. Persönlich glaube ich aber eher nicht das das Twittern den Blog verdrängt. Dafür sind 140 Zeichen zu wenig… Unterstützend ist das eine schöne Sache.

  7. Von MobilPresse am 14. Juni 2009 um 23:40

    In einem stimme ich dem Beitrag hier zu (auf den ich übrigens über Twitter aufmerksam geworden bin): Twitter zerstört blogrelevante Themen, bzw. man denkt sie seien zerstört, da man selbst als aktiver Twitteruser, nachdem man das Thema von 10 verschiedenen Leuten getweetet gelesen hat, denkt, es sei ausgelutscht. Wenn man es aber genauer betrchtet, lohnt es sich gerade über solche, für die Twitterwelt anscheinend relevante Themen (Trending Topics) zu bloggen. Hier heisst es dann nicht, den Nischen Blogpost zu kreieren, sondern dem Drang der Masse folgen und selber etwas zum aktuellen Thema beizutragen. Und Twitter dann wiederum als Vertriebsweg nutzen. Mir bringt Twitter momentan ca. 40% meiner Blogleser. Dass dies nicht permanent so weiter geht, sollte wohl klar sein, aber noch hat man die Möglichkeit, einen Dienst wie Twitter für sich arbeiten zu lassen, anstatt sich das bloggen von selbigem zerstören zu lassen. In Zukunft wird es wohl so sein, dass Twitter mehr und mehr zur Marketing- und Spamplattform verkommt und wieder mehr wert auf qualitativ Gebloggtes gelegt wird.

  8. Von Rainer Müller am 15. Juni 2009 um 02:51

    ja denke auch das 140 zeichen kein ersatz sind für einen umfassenden artikel, ich denke für leute die einfach schnell wissen wollen was los ist reichen 140 zeichen, aber um mitzureden müssen es dann doch mehr sein

  9. Von Alex am 15. Juni 2009 um 07:56

    Hallo,
    ich zitiere mal kurz @MobilPresse,

    In Zukunft wird es wohl so sein, dass Twitter mehr und mehr zur Marketing- und Spamplattform verkommt und wieder mehr wert auf qualitativ Gebloggtes gelegt wird.

    Das mit dem Spammen wird sicher die Twitter-Leitung irgendwie unterdrücken wollen, falls es ausartet und die Sache mit dem Marketing oder der Vermarktung des Twitters als irgendein neuer Kanal für Werbung, das weiss man derzeit noch nicht so genau. Etwas prognostizieren und vermuten, lässt es sich derzeit sicherlich.

    Ich denke, dass man nur abwarten muss und es wird sich schon von allein klären lassen.

    Dass so manch ein guter Gedanke via Twitter anstatt im Blog gepostet wird, das stimmt schon. Aber der eigentliche Inhalt desgleichen erscheint nachwievor im eigenen Blog, was auch so sein muss. Zu viel SmallTalk im Twitter kann aber einen Blogger durchaus von dem eigentlichen Bloggen abhalten. Daher sollte man vll. etwas Acht darauf geben.

  10. Von Tom am 15. Juni 2009 um 09:24

    Google Wave wird sich wohl schneller durchsetzen. Es hat einfach mehr Vorteile.

    Ich hoffe es wird Kommentare, Forums, Wikis, Emails, Twitter, Facebook etc. eher schneller als langsam ersetzen.

    Ich will meine eigene Wave wo die Kontrolle habe und meine Daten nicht “gelockt” sind.

  11. Von Clatsch am 15. Juni 2009 um 10:42

    Ich persönlich bin der Meinung das Twitter keinen Blog ersetzen kann. Ich finde es auch sehr unübersichtlich bei dem regen Angebot den überblick zu halten. Mir ind ie Blogs im Reader leiber ;-)

  12. Von Tanja am 15. Juni 2009 um 10:43

    Gespannt beleibt abzuwarten, wie lange es Twitter noch geben wird. Ich denke es handelt sich hier nur um einen Hype und dann gehts es wieder zurück zu guten alten Blogzeit. Ich hoffe es zumindest.

  13. Von Veith Klapp am 15. Juni 2009 um 12:01

    Das über Twitter nicht viel mehr geht als kurze Texte ist jedem klar.Es ist aber ein weiteres interessantes Medium, dass geschickt und mit Bedacht eingesetzt, durchaus sinnvoll ist und seine Daseinsberechtigung hat.
    Den klassischen Blog kann und wird diese Laberplattform nicht ersetzten!Das ist meine feste Überzeugung.
    Auch kann Twitter keinen IM wie Skype ersetzten, da hier wichtige Features wie z.B.Datenversand fehlen.Ein nicht zu unterschätzender Nachteil ist auch die Tatsache, dass vermeintlich private Kommunikation von den Suchmaschinen abgegriffen wird und dort ewig im Cache schlummert…

    Bin übrigens über Twitter auf Diesen Beitrag gestoßen.

    LG

  14. Von Lupe, der Satire-Blo am 15. Juni 2009 um 13:55

    twittern ist was für kaffeekränzchen-freunde. oder despektierlich ausgedrückt, weibergewäsch. “bin im zug”, “habe soeben einen artikel über das neue iphone gelesen”, “es ist saukalt”, “werde wohl den terminator im kino anschauen”. grösstenteils schrott. nur selten findet trouvaillen. aber dieses gelabber ist ja wohl der sinn von twitter.

    so! nun habe ich mal ein wenig provokativ gegensteuer zu diesem euphorischen twitter-beitrag gegeben.

    twittere übrigens selbst. :-9

  15. Von calimero am 15. Juni 2009 um 15:03

    Also ich twittere fast gar nicht, sondern mein WordPress-Twitter Plugin schreibt automatisch tweets sobald ich was neues geblogged habe.

    Bin also doch eher noch in der Blogosphäre anzutreffen und nutze twitter höchstens als Verbreitungsmedium meiner Blogeinträge.

  16. Von Oliver Springer am 15. Juni 2009 um 20:04

    Wenn man etwas in 140 Zeichen auf den Punkt bringen kann, ist das super. Wenn dadurch winzige Blogposts oder Artikel, die unnötig aufgebläht werden, künftig entfallen, werde ich das sicher nicht vermissen.

    Nein, Twitter ist für Blogartikel keine Bedrohung. Etwas anderes ist es, wenn Kommentare lieber in Twitter als im Blog geschrieben werden. Aber erstens sind 140 Zeichen selbst für einen Kommentar ziemlich wenig, zum anderen kann der Kommentar dort vielleicht mehr Traffic bringen.

    Instant Messaging: Das sollte zusammenwachsen.

  17. Von Marcel am 28. Juli 2009 um 21:48

    Fakt ist auf jeden Fall dass es mit Twitter eine interessante Entwicklung geben wird. Zwar nicht Blog vs. Twitter, sondern als zusätzlicher alternativer Kommunikationskanal.

Dieser Beitrag wurde in 4 Artikeln erwähnt
  1. […] unterstütze ich diese These überhaupt nicht, sondern glaube inzwischen wieder verstärkt an das Blog als den geeignetsten […]

  2. […] Blogkiller Twitter ? […]

  3. […] meinem Artikel Blogkiller Twitter gehe ich ein wenig auf das ein, von dem ich glaube, was da kommen wird. Der Artikel erschien schon […]

  4. […] Soviel zum Thema “Twitter ist ein Blogkiller”. Ich habe schon so lange nicht mehr in die Feeds geschaut, dass mir beinah entgangen wäre, dass […]

Kommentar abgeben